Montag, 10. August 2009

An besonders schönen Tagen,
Hat niemand etwas zu beklagen.
Wir sind nun pünktlich losgefahren.

Hinter der Grenze stand ein Turm,
Zum Glück gab es keinen starken Sturm.
So sahen wir uns die Gegend an.

Hinterhermsdorf verlor seinen Titel,
Denn es gab kein gutes Mittel,
Die NPD-Plakate zu entfernen.

Die langhaarigen Zwillinge,
Die hatten keine Ohrringe.
Dafür bot der Garten Edelsteine.

Erschöpft durch die Berge,
Fuhren wir zu unserer Herberge,
Und so war der Tag fast zu Ende.

Petr, Martin, Alice, Katharina

Dienstag, 11. August 2009

Ausflug nach Schluckenau


Alice und Luisa

Mittwoch, 12. August 2009 - Kunstblumen

Geschichte – groß, wie aus dem Buch, geschrieben von Siegern...
Geschichte – persönlich, einzigartig, geschrieben oftmals von Kriegsopfern...



In der Erzählung der Frau, deren Geschicklichkeit und Fähigkeit, Handarbeit zu machen, letztendlich darüber entschieden hat, auf welcher Seite der Grenze sie leben wird, berühren sich beide Formen von „Geschichte“.
Die Herstellung von Kunstblumen sieht zuerst banal und uninteressant aus, aber gerade dank ihr ist es möglich, dem Schicksal (der erzwungenen Aussiedlung) zu entgehen, wodurch dieses Handwerk ein fast magisches Attribut erhält.
Die Thematisierung des Begriffs Arbeit in der Ära des Sozrealismus umfasste mehrere Ebenen. Im Rahmen der politischen Manipulation wurden Filme gedreht, welche Arbeit als einen primären menschlichen Wert und als eine der Hauptsäulen der Ideologie propagierten Plakate aus dem Raum hinter dem eisernen Vorhang funktionieren bis heute im kollektiven Gedächtnis als Symbol des Sozialismus.
Das Thema wurde im Bereich der Kunst und Kultur akzentuiert, und die natürliche traditionelle Frömmigkeit wurde durch eine neue, fast schon religiöse Beziehung zur Arbeit ersetzt. Es kam zur Abschaffung und Schließung von Kathedralen. Ihre Funktion übernahmen die neuen „Industriekathedralen“ – Fabriken, Gruben.
Was die Religion betrifft, war für mich die Fürsorge überraschend, mit der sich der Pfarrer aus Šluknov/Schluckenau den örtlichen Romas widmet. Als Polin bin ich eher an fehlende Bemühungen gewöhnt, die Gemeinschaft der Romas zu resozialisieren, und das hauptsächlich aus dem Grund, dass es zu wenige gibt. In Tschechien ist dies ein durchweg alltägliches Problem, auch wenn es für mich, als Polin, die in Prag lebt, niemals so sehr sichtbar und augenscheinlich war. Das, was in einer Großstadt verborgen werden kann, tritt im Grenzgebiet direkt in Erscheinung. Das Grenzgebiet hat seinen eigenen verwunschenen Zauber.
Die Grenzen dessen, was aus sozialer Sicht „normal“ ist und was bereits als „merkwürdig“ eingestuft wird, liegen hier woanders. In Dolní Poustevna/Niedereinsiedel hatte ich ständig das Gefühl, dass es an derartigen „Sonderlingen“ nicht fehlt und dass man hier auf eine Menge Merkwürdigkeiten stößt – zum Beispiel der Glöckner aus der Kirche, der eifrig Eisenwunder präsentiert und nachfolgend auf den Gleisen vorträgt. In städtischer Umgebung sähe dies wie eine wissenschaftliche Performance aus. Ich denke aber, dass es hier um Wirklichkeit geht, und der Glöckner hat zugleich meinen Respekt.
Respekt verdient gleichfalls der erwähnte Pfarrer, der nicht nur nach Schluckenau gekommen ist, um Hirte der schwärzesten Schafe zu werden, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, aber daneben eine Fremde einlud, welche kein Tschechisch kann.
Ich habe den Eindruck, dass ich hier in einige Geheimnisse eingeweiht wurde, die die Folge spezifischer sozialer Ereignisse des Grenzgebietes sind, hervorgehend aus der komplexen Geschichte der Sudeten. Wertvoll ist für mich vor allem die Tatsache, dass der Besuch in Niedereinsiedel und Schluckenau in mir dieses trügerische Gefühl hervorgerufen hat, welches das Grenzland in sich trägt. Der Besuch zwang mich dazu, Antworten auf einige Fragen hinsichtlich aktueller sozialer Probleme zu suchen und brachte mich zur Reflexion kultureller und anthropologischer Themen. Ich bin froh, dass ich mich nicht wie bei einer langweiligen Museumsbesichtigung gefühlt habe.
Eine Sache ist das tragische Schicksal der Sudetenlandschaft, die zweite aber, dass es hier immer noch die Chance gibt, sich von diesem Schicksal zu emanzipieren und sich seiner augenblicklichen Existenz bewusst zu werden.

Ewa

Donnerstag von A bis Z

Auto – das war das heutige Verkehrsmittel zu den Sehenswürdigkeiten der Gegend
Bautzen – die Stadt, in der sich das Zentrum der Lausitzer Sorbischen Minderheit befindet
Comenius – Jan Amos Komensky war der letzte Bischof der Böhmischen Brüder
Domowina – das ist der Verband der sorbischen Minderheit
Essen – wir aßen zu Mittag in einem traditionellen Restaurant
Friedhof in Herrenhut – er war etwas Besonderes, weil die Männer und Frauen getrennt voneinander auf einer Seite beerdigt waren
Gegend – sie war hier wunderschön
Herrenhut – der Ort, in dem die aus Mähren vertriebenen Böhmischen Brüder nach dem 30-jährigen Krieg Zuflucht fanden
Informationen – die bekamen wir dank der Ausstellung im Schloß der Böhmischen Brüder
Journalisten – die Sorben in der Lausitz haben sogar eigene Zeitschriften
Kirchengebäude – der Böhmischen Brüder, sind im Vergleich zu denen in der Römisch-katholischen Kirche sehr minimalistisch
Lausitz – diese Gegend war unseres Ziel am Donnerstag
Mission der Böhmischen Brüder – sie führte auch nach Tibet, Süd Amerika und sogar nach Grönland
Nachbarschaft – die Sorben in der Lausitz fühlen sich von den Deutschen diskriminiert
Ochranov – so heißt Herrenhut auf Tschechisch
Photos – machten wir an diesem Tag sehr viele
Quer durch das Land – fuhr die Mehrheit mit Autos, aber einige auch per Fahrrad
Religion – das war das Thema des Tages
Sterne – Herrnhuter Sterne werden von den Böhmischen Brüdern bis heute hergestellt
Tradition – der Böhmischen Brüder dauert bis zum heutigen Tage
Unbekannt – war für viele die Geschichte der Sorben
Varnsdorf – hier trafen wir die Altkatholiken
Weg – der heutige Weg war sehr lang und erlebnisreich
X-mal – hielten wir an, um die Sehenswürdigkeiten zu bewundern
Yes – der heutige Tag gefiel uns
Zeit – die gab es heute leider wenig, um alle Besonderheiten der Region zu sehen

Alice

Freitag, 14. August 2009

Der letzte Erlebnistag unserer „Spurensuche“ begann vielversprechend mit Sonne und Wärme. Nach dem Frühstück fuhren wir aus Mikulášovice/Nixdorf Richtung Osten. In Brtníky/Zeidler warteten die schnelleren Radler auf die Schlußgruppe – aber die kam nicht. Ein Anruf bei Anett unterrichtete uns über ein Problem an Lenkas Fahrrad, sie könne nicht weiterfahren. Erinnerungen an das letzte Jahr und den schweren Sturz von Maria kamen auf. Letztendlich waren an Lenkas Rad vier Speichen gebrochen, was ein Weiterfahren unmöglich machte. Aber ihr war zum Glück nichts passiert. Die anderen fuhren weiter, Lenka versuchte selber, zu einem Fahrradservice zu kommen. Kurz danach hatten wir den aufregendsten Wegabschnitt vor uns: Ein sehr schlammiger Feldweg, mit tiefen Pfützen und Matschlöchern führte uns zu dem verlassenen Dorf Skřivánčí pole/Neu-Lerchenfeld. Klára Mágrová, die sich in ihrer Diplomarbeit an der Universität Ústí nad Labem mit den verschwundenen Ortschaften im Schluckenauer Zipfel befasst hatte und heute Projektmitarbeiterin der Loreto in Rumburk/Rumburg ist, erzählte uns von ihren Forschungen über das verschwundene Dorf und konnte uns viele Bilder und Dokumente aus der Zeit vor und nach der Vertreibung zeigen.
Der weitere Weg nach Rumburg (eigentlich ein sehr passender Städtename im Schluckenauer Zipfel) war angenehmer. Wir parkten unsere Fahrräder im Kapuzinerkloster. Hier trafen wir auch Lenka wieder. Sie war teils zu Fuß, teils trampend nach Rumburg gelangt, hatte einen Fahrradservice gefunden und sollte ihr Rad am Nachmittag wiederbekommen.
Eine ältere Dame deutscher Herkunft, die in Loreto als Führerin arbeitet, erzählte uns sehr anschaulich die Geschichte der 1704-1709 errichteten, nördlichsten Loretokapelle der Welt, welche von einem sehr schön renovierten Kreuzgang mit Deckengemälden über das Leben von Maria umschlossen wird.
Der Legende nach hätten Engel die Santa Casa, d.h. das Haus, in dem die Jungfrau Maria wohnte, aus Nazareth ins italienische Loreto übertragen. Die Rumburger Loretokapelle ist eine Kopie der italienischen Kapelle.
Anschließend erzählte uns Jan Němec vom Museum in Děčín/Tetschen sehr ausführlich über die reichhaltige Industriegeschichte des Schluckenauer Zipfels. Leider ist die Insdustrie nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. nach der samtenen Revolution 1989 fast vollständig zusammengebrochen.
Das Mittagessen hatte diesmal einen italienischen Touch (vielleicht auch in Anlehnung an die Loretokapelle), es gab Nudeln mit verschiedenen Saucen. Nachfolgend konnten wir einen schönen Gottesdienst in der Loretokapelle besuchen.
Wir radelten weiter zum Marienwallfahrtsort Filipov/Phillipsdorf. Der ältere Herr, der uns die Kirche zeigte, erzählte uns sehr anschaulich über die Geschichte des Wunders, das am 13.01.1866 in Form der Heilung der schwerkranken Weberin Magdalena Kade geschehen ist. “Mein Kind, von jetzt an heilt’s”, so soll die Gottesmutter in einer Erscheinung der Kranken prophezeit haben. Die Basilika wurde 1885 erbaut.
Die sehr schöne Rückfahrt führte uns durch wildromantische Wälder und über liebliche Wiesen zurück nach Mikulášovice/Nixdorf. Schnell zum Duschen und weiter ins Hotel „Ron“, zu unserem letzten Abendessen dieser „Spurensuche“. Der Abend klang mit einer Reflexion, viel Applaus für unser Organisationsteam Anett und Ondřej, Spielen und Gesprächen aus.

Markus